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Gründung
und Ziele
Unser Club war als Ort gedacht, der uns helfen sollte
Ängste und Hemmungen zu überwinden. Wir wollten
zu unterschliedlichsten Themen eigene Erlebnisse, Empfindungen
und Wünsche äußern. Wollten frei von Ängsten
in der Gruppe agieren. Wir wollten Rücksicht aufeinander
nehmen, nicht die Geduld verlieren und einander nicht ins
Wort fallen, sondern jeden ausreden lassen.
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Tammo hörte von Walter
M. Schubert, Anita Zeimetz, Heidi Reinschmidt und Hedi Jantsch
vom Club in Worms und fuhr 1971 dorthin, um sich über
die Aktivitäten und die Erfahrungen zu informieren. Hier
begegnete er auch Günter Hammermeister: "Hier haben
wir uns kennengelernt und schnell wurde der Entschluss gefaßt,
einen eigenen Club in Darmstadt zu gründen."
Die für eine Gründung notwendigen Mitglieder waren
bald gefunden und in Tammos Wohnzimmer fand dann am 18.07.1971
die Gründungsversammlung statt. Uwe Börner und Walter
M. Schubert, die beiden Urgroßväter der Bewegung,
hatten einen Satzungsentwurf mitgebracht und leisteten solidarische
Geburtshilfe.
Wir fühlten uns durch die etablierten Behinderten- und
Sozialverbände nicht wirklich vertreten und nicht ernst
genommen. Sie (die Funktionäre) behandelten uns wie Pfleglinge
und maßten sich an, in unserem Namen und für uns
zu sprechen. Für uns ein völlig unwürdiges
und inakzeptables Verhalten.
Die einzige angemessene Antwort auf solche Diskriminierung
und Bevormundung war der Selbstvertretungsanspruch unseres
Clubs. Er war für uns entscheidend und faszinierend zugleich,
wurde jedoch nicht immer von allen Freunden verstanden.
Wir wollten durch eigene emanzipatorische Schritte einen Prozess
starten, der uns in einem ersten Schritt helfen sollte, unsere
eigenen Insteressen und Bedürfnisse, d.h. unsere eigenen
Identität zu finden.
Ein zweiter Schritt sollte helfen, Konfliktfähigkeit
zu erlangen - als Voraussetzung, um unter erschwerten Bedingungen
selbstständig und beziehungsfähig zu werden. Nichtbehinderte
waren uns als Freunde in Partnerschaft auf diesem gemeinsamen
Weg ausdrücklich willkommen.
In einem dritten Schritt wollten wir uns danach durch polititsches
Handeln in die gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse einmischen,
um die Lebensbedingungen behinderter Menschen wesentlich und
nachhaltig zu verbessern. (s. Chronik).
Unser Ziel war Barrierefreiheit in den Köpfen, in den
gesellschaftlichen Strukturen und in der baulichen und architektonischen
Wirklichkeit.
Im Rückblick können wir feststellen, daß es
eine tolle Zeit war, Es herrschten eine idealistische Aufbruchstimmung,
ein Optimismus und eine Zuversicht, die ansteckend waren.
In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt,
daß auf dem Gebiet der Behinderen-Rehabilitation ein
großes, weites Feld mit einer immensen sozialpolitischen
Aufgabenstellung besteht, auf dem uns noch viel Arbeit erwartet.
Allerorten entstehen heute Vereinigungen, wie wir jetzt eine
solche hier begründet haben, den Club "Behinderte
und ihre Freunde Darmstadt und Umgebung". Halten wir
uns einmal vor Augen, in welcher Situation sich sehr viele
Behinderte befinden: einzeln, ja vereinsamt, oft verbittert,
leben sie im Verborgenen, vielfach von der Gesellschaft in
der Wohnung versteckt, so daß die in ihnen schlummernden
geistigen und körperlichen Möglichkeiten gar nicht
zur Entwicklung kommen, geschweige denn als Grundlage zur
Gestaltung einer eigenen Existenz zum Tragen kommen können.
Anders gesagt, die gesetzlich verankerten menschlichen Grundrechte
sind oft, zu oft für den betroffenen Personenkreis faktisch
kaum realisierbar. Die Isolation, nicht zuletzt verursacht
durch Unverständnis und Ablehnung der Umwelt, hat vielfach
dem Behinderten das Erlernen von Mitsprache und Mitbestimmung
verwehrt, sie wurden ihm bisher von anderen abgenommen. Hier
nun sieht unser Club eine seiner wesentlichen Aufgaben, nämlich
dem einzelnen Mut zu seinen in ihm schlummernden Fähigkeiten
zu machen und hierdurch seine Eigeninitiative aufzubauen.
Hand in Hand hiermit wollen wir dem Nichtbehinderten von uns
aus helfen, seine Scheu, seine Passivität, sein oft falschen
Verhalten kurz seine "Behinderung" Behinderten gegenüber
zu überwinden...
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